Fakt oder Mythos?

Mythos: „Schwangerschaftsübelkeit ist harmlos und gehört einfach dazu.“

Fakt: Zwar ist Übelkeit in der Schwangerschaft sehr häufig, sie hat jedoch einen medizinischen Krankheitswert, wenn sie den Alltag oder die Arbeitsfähigkeit einschränkt. Betroffene müssen nicht „einfach durchhalten“, sondern sollten Unterstützung erhalten.

Wenn mehr Babys unterwegs sind: Übelkeit verstehen

Bei Mehrlingsschwangerschaften ist Übelkeit oft stärker ausgeprägt. Der Grund: Der Körper produziert mehr Schwangerschaftshormone wie hCG und GDF15, die Übelkeit begünstigen können.

Schon gewusst?

Bei einer Mehrlingsschwangerschaft bildet der Körper mehr Plazentagewebe als bei einer Einlingsschwangerschaft. Dadurch werden höhere Mengen des Botenstoffs GDF15 freigesetzt. GDF15 wirkt im Gehirn auf Zentren, die Übelkeit und Appetit regulieren. Die erhöhten Spiegel können dazu führen, dass Schwangerschaftsübelkeit häufiger auftritt oder stärker ausgeprägt ist. Diese Reaktion ist eine natürliche Folge der veränderten hormonellen Situation und kein Hinweis auf eine Erkrankung.

Mehrlingsschwangerschaft – besondere Anforderungen für den Körper

Bei einer Mehrlingsschwangerschaft wächst mehr als ein Baby gleichzeitig im Mutterleib. Das stellt den Körper der Schwangeren vor besondere Herausforderungen. Um alle Kinder ausreichend zu versorgen, produziert der Körper größere Mengen an Schwangerschaftshormonen. Dadurch können typische Beschwerden wie Übelkeit, Müdigkeit oder Kreislaufprobleme stärker ausgeprägt sein als bei einer Einlingsschwangerschaft.

Auch körperlich ist die Belastung höher: Die Gebärmutter wächst schneller, der Energie- und Nährstoffbedarf steigt, und viele Veränderungen treten früher oder intensiver auf. Gleichzeitig wird eine Mehrlingsschwangerschaft medizinisch besonders eng begleitet, um die Gesundheit von Mutter und Kindern bestmöglich zu unterstützen.

Trotz der zusätzlichen Anforderungen verläuft eine Mehrlingsschwangerschaft in vielen Fällen gut. Mit ausreichender Aufmerksamkeit für den eigenen Körper und regelmäßiger ärztlicher Betreuung können diese besonderen Monate sicher und bewusst erlebt werden.

Quelle
  • Norwitz, Errol R., Valentine Edusa, and Joong Shin Park. "Maternal physiology and complications of multiple pregnancy." Seminars in perinatology. Vol. 29. No. 5. WB Saunders, 2005.