Schwangerschaftsübelkeit ist im 1. Trimester sehr weit verbreitet. Neue Erkenntnisse zeigen, dass neben hCG auch der Botenstoff GDF15 (Growth Differentiation Factor 15 / Wachstumsdifferenzierungsfaktor 15) maßgeblich beteiligt sein könnte.
Schwangerschaftsübelkeit ist ein häufiges Phänomen im ersten Trimester. Bis zu 85% aller Schwangeren sind betroffen. Typischerweise tritt die Übelkeit in den frühen Morgenstunden auf, kann sich jedoch über den gesamten Tag erstrecken und wird nicht selten von Erbrechen, Geruchsüberempfindlichkeit und Appetitveränderungen begleitet.
Als Hauptursache gelten hormonelle Umstellungen, insbesondere der starke Anstieg des Schwangerschaftshormons humanes Choriongonadotropin (hCG) sowie von Östrogen. In den letzten Jahren hat zudem der Botenstoff GDF15 (Growth Differentiation Factor 15) an Bedeutung gewonnen. Studien zeigen, dass GDF15 während der frühen Schwangerschaft vermehrt von der Plazenta freigesetzt wird und im Gehirn an spezifische Rezeptoren bindet, die an der Regulation von Übelkeit und Appetit beteiligt sind. Hohe GDF15-Spiegel werden mit stärker ausgeprägter Schwangerschaftsübelkeit in Verbindung gebracht.
Die Beschwerden beginnen meist zwischen der 5. und 7. Schwangerschaftswoche und klingen bei den meisten Frauen bis zum Ende des ersten Trimesters wieder ab. Obwohl die Übelkeit als belastend empfunden werden kann, gilt sie medizinisch häufig als Ausdruck der normalen Anpassungsprozesse des Körpers an die Schwangerschaft und ist in der Regel vorübergehend.
Im 1. Trimester reagiert das Gehirn besonders empfindlich auf den Botenstoff GDF15. Frauen, die vor der Schwangerschaft niedrige GDF15-Spiegel hatten, erleben Übelkeit oft stärker, weil der Körper noch nicht daran „gewöhnt“ ist.
GDF15 ist ein körpereigener Botenstoff (Protein), der während der Schwangerschaft eine wichtige Rolle spielt. Besonders im ersten Trimester wird er vermehrt von der Plazenta gebildet und gelangt über das Blut ins Gehirn.
Dort wirkt GDF15 auf ein spezielles Zentrum, das unter anderem Appetit, Übelkeit und Erbrechen steuert. Forschende gehen davon aus, dass genau dieser Mechanismus erklärt, warum viele Schwangere in den ersten Wochen unter Übelkeit leiden. Je höher der GDF15-Spiegel ansteigt, desto stärker können die Beschwerden ausfallen.
Interessant ist dabei: Frauen, die schon vor der Schwangerschaft höhere GDF15-Werte hatten, verspüren oft weniger Übelkeit. Ihr Körper scheint an den Botenstoff bereits „gewöhnt“ zu sein. Bei anderen reagiert das Gehirn empfindlicher auf den plötzlichen Anstieg.
Auch wenn GDF15 für unangenehme Symptome verantwortlich gemacht wird, erfüllt er vermutlich eine sinnvolle Funktion. Er könnte dazu beitragen, den Körper in der sensiblen Frühphase der Schwangerschaft zu schützen, etwa indem er vor potenziell schädlichen Nahrungsmitteln warnt.
GDF15 ist somit ein gutes Beispiel dafür, dass viele typische Schwangerschaftsbeschwerden Teil komplexer, natürlicher Anpassungsprozesse sind.